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1921-1939

1921 - 1939

Durch nicht erfüllte Reparationszahlungen wurde das Ruhrgebiet 1923 von den Franzosen besetzt. Dies hatte den Ausfall der Kokslieferungen zur Folge. Dadurch musste noch teurerer Koks aus England bezogen werden. Der wirtschaftliche Druck des Auslands wurde untragbar. Letzten Endes war die Eisenwerkgesellschaft gezwungen, ihre Werke in Thüringen und Sachsen zu schließen und die Leute zu entlassen. Für das Unterwellenborner Werk bedeutete dies natürlich auch einen Baustop. Dieser hielt fast 2 Jahre an. Erst danach konnte man weiterbauen und errichtete unter anderen eine Gasmaschinenzentrale, mit der man nun auch in Unterwellenborn kostengünstig Energie gewinnen konnte.

Sieben Gichtgaskolbenmaschinen neuester Bauart wurden dafür errichtet. Die letzte derer ging erst 1987 außer Betrieb und steht heute als technisches Denkmal interessierten Besuchern zur Verfügung. Die Gaszentrale galt als energetisches Herzstück der Maximillianhütte Unterwellenborn. Ihr Aufbau war das Ergebnis einer hohen ingeneurtechnischen Leistung der zwanziger Jahre. Weitere Modernisierungen wurden an der Hochofenanlage vorgenommen. Um den hohen Koksverbrauch herabzusetzen, legte man in Unterwellenborn stets Wert auf eine gute Winderhitzung. Zum Aufheitzen des Hochofenwindes auf 800...900°C waren neun Winderhitzer in zwei Gruppen aufgestellt. Ihre Abgase wurden durch zwei Schornsteine von etwa 70 Meter Höhe abgeführt. Ein vierter Hochofen wurde 1929 angefangen zu bauen, jedoch erst 7 Jahre später fertiggestellt. Der Bau des Thomas-Stahlwerkes wurde durch die Einfachheit, Ergebnis der Geldknappheit, geführt. Der Bau begann 1923 und dauerte 5 Jahre an.

Gichtgaskolbenmaschinen - MAZET GmbH
Die Walzwerksanlagen entstanden in dreieinhalbjähriger Bauzeit ab Ende 1927 bis 1931. Der Bau umfasste 12 miteinander verbundene Hallen. Aus übertriebener Sparsamkeit wurden jedoch auch hier technologische Fehler gemacht, welche sich später auf die Produktivität des Walzwerkes negativ äußern sollte. Die max. Walzlänge sollte 70 Meter betragen. Das Walzprogramm sah kleinere Träger NP und UNP, Grubenschienen, Winkel- und Flachlaschen für Reichsbahnschienen, Flacheisen und Winkel vor. Es sei auch erwähnt, daß der gesamte Ausbau des Werkes ohne Investitionen des Reiches erfolgte, wodurch die ein oder andere notwendige Sparmaßnahme erklärt werden könnte.



Das neue Werk war fertig, doch die Weltwirtschaftskrise nahm ihren Lauf. In Anbahnung an die Wirtschaftskrise kam es zu immer mehr Unzufriedenheit und Streiks. Ergebnis dessen war jedoch die Verweigerung von Seiten der Direktion, mit der Gewerkschaft zu verhandeln. Ihre Versammlungen und Aktionen unter der Belegschaft wurden untersagt. Der Betriebsrat wurde nicht mehr anerkannt und praktisch aufgelöst. Bedingt durch die Weltwirtschaftskrise erzeugte ab Anfang 1931 nur noch ein Hochofen Eisen. Das Thomas-Stahlwerk stand komplett still.

Triostraße vor der Inbetriebnahme - MAZET GmbH





Luftbildaufnahme der Maximillianshütte in Unterwellenborn aus den 30iger Jahren mit Gaszentrale, Hochofenwerk, Thomas-Stahlwerk, Walzwerkhallen und diversen Nebenanlagen

Luftbildaufnahme der Maximillianshütte  in Unterwellenborn - MAZET GmbH

Noch im gleichem Jahr erwarb der großindustrielle Fr. Flick 48 % des Aktienkapitals der Eisenwerkgesellschaft, welches er auch bis 1972 leitete. 1931 schloss die Eisenwerkgesellschaft einen Interessengemeinschaftsvertrag mit der mitteldeutschen Stahlwerke AG, um einen Stahlkomplex zu bilden. Damit wurde der Grundstein für den drittgrößten Stahlkonzern in Deutschland gelegt. Fr. Flick, eindeutiger Anhänger der NSDAP überwies bereits Anfang 1932 größere Summen an die Nationalsozialisten. Diese Unterstützung hielt bis 1944 an.

Doch bis 1933 wurde im Stahlwerk nur noch das nötigste gemacht. Am 30. Januar 1933 zählte man 6.013.612 Arbeitslose in Deutschland. Der Tag, an dem Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt wurde. Der nun entstandene Flickkonzern, aus verschiedensten Produktionszweigen günstig zusammengesetzt, konnte von Erz und Kohle über Stahl bis zu Granaten und Flugzeugen alles produzieren, was für die Pläne der Nationalsozialisten gebraucht wurde. Das Unterwellenborner Stahlwerk war also ein wichtiger Bestandteil einer langen Produktionskette. Flick setzte bei seinem Konzern von Anfang an auf die Rüstungsindustrie. Seine Rechnung ging auf. Schon früh wurden ihm die ersten Rüstungsaufträge zugeteilt und das Stahlwerk war rund um die Uhr in Betrieb. Das Werk erlebte einen neuen wirtschaftlichen Aufschwung. So stand in den Geschäftsberichten: „...die Schäden des Niederganges sind 1934/35 ausgemerzt worden...1936 war das Jahr des Aufbaus auf einer bereinigten Grundlage... Der Vierjahresplan führte zur Zusammenführung aller Kräfte.“

Jetzt waren vor allem Hart- und Edelstähle gefragt, das Unterwellenborner Stahlwerk jedoch nur für Massenstähle aus dem Thomas Verfahren geeignet. Im Jahre 1934 begann in Unterwellenborn der Aufbau eines Press- und Bearbeitungsbetriebes zur Anfertigung von Geschosshülsen. Um die Edelstahlversorgung direkt aus dem Werk zu gewährleisten, wurde 1936 ein Elektroofen installiert. Bereits ein Jahr später folgte der zweite Elektroofen. Das Fassungsvermögen jedes Elektroofens betrug 17,5 Tonnen.





Elektroofen der Dreißiger Jahre (Baugleich mit der Unterwellenborner Anlage)

Im Bild: Die Beschickung des herausgefahrenen Ofens erfolgt mit einer Einsatzkugel

Elektroofen der Dreißiger Jahre - MAZET GmbH